Familie, Blutlinie und Karma – Dhana Bhava.
- Ella

- 14. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Juli 2025
Nach dem ersten Haus, dem Lagna, dem Ort deines Selbst und deines Auftretens in der Welt, führt uns die astrologische Reise im Jyotish weiter zum zweiten Haus, dem Dhana Bhava. Wenn das 1. Haus die Geburt symbolisiert, dann zeigt das 2. Haus, was du mitbringst und was du brauchst, um in der Welt zu bestehen. Es ist das Haus der Substanz, der Nahrung, der Sprache und des Wertes. Es fragt nicht nur: Was hast du?, sondern auch: Was ist dir heilig?

Worum geht es im Dhana Bhava?
Das zweite Haus steht im Zentrum von materieller Stabilität und innerer Verwurzelung. Es beschreibt, was dich nährt körperlich, emotional, sprachlich und auch spirituell.
Hier geht es um:
Finanzen, Besitz, Geldfluss
Selbstwert und innere Sicherheit
Sprache, Ausdruck, Stimme
Familie und frühe Prägung
Nahrung, im wörtlichen und übertragenen Sinn
Das 2. Bhava gehört zur Artha-Trilogie (neben Haus 6 und 10), also zu den Häusern, die mit Lebensunterhalt, Struktur und konkreter Umsetzung zu tun haben. Ohne Artha kann kein Dharma (Lebensweg) wirklich getragen werden.
Dhana – was du hast und wie du damit umgehst
Der Begriff Dhana bedeutet Reichtum, doch nicht nur im materiellen Sinn. Es geht auch um die Fülle des Ausdrucks, um verbales Talent, sprachliche Intelligenz, aber auch um das, was du weitergibst, besonders in der Familie. Ein gut gestelltes zweites Haus zeigt:
eine solide finanzielle Grundlage
einen klaren Selbstwert
starke Familienbande
gutes Sprachvermögen und Ausdruckskraft
Ein herausforderndes zweites Haus hingegen kann Unsicherheiten im Umgang mit Geld, Spannungen in der Herkunftsfamilie oder auch Sprachhemmungen anzeigen.
Die Stimme als Ausdruck der Seele
Viele klassische Schriften weisen darauf hin, dass die Stimme, sowohl im Klang als auch in der Wortwahl, tief mit dem 2. Haus verbunden ist. In der vedischen Philosophie ist Sprache (Vāk) eine heilige Kraft. Sie formt Realität. Daher finden wir in diesem Haus oft Hinweise auf:
Redekunst, Gesang, Poesie
die Art, wie jemand durch Worte wirkt (heilend oder zerstörerisch)
Wenn also das 2. Haus stark und klar ist, kann ein Mensch über Worte berühren, führen oder lehren. Ist es verletzt, kann Sprache manipulativ, verletzend oder auch blockiert sein.
Familie, Blutlinie und Karma
Das zweite Haus ist auch das Haus der Familie, des "Kula" jener Menschen, die dich am frühesten geprägt haben. Besonders die väterliche Linie (im Gegensatz zum 4. Haus, das mehr die Mutterseite symbolisiert) spielt hier hinein. Was hast du aus deinem Familienfeld geerbt? Was wurde dir als Wert vermittelt, nicht nur materiell, sondern auch emotional und kulturell? Im Jyotish sieht man hier auch Hinweise auf:
karmische Muster der Ahnen
finanzielle (Un-)Stabilität in der Herkunft
Glaubenssätze rund um Wert und Besitz
Es ist das Haus der inneren Schatztruhe, aber auch der Schatten, die uns beigebracht haben, nicht genug zu sein.
Der Herrscher des 2. Hauses (Dhanesha)
Ein Schlüssel zur Deutung liegt im Herrscher des zweiten Hauses, der zeigt, wohin die Energie des Reichtums fliesst. Steht dieser z. B. im 11. Haus, können finanzielle Gewinne durch Netzwerke oder Gruppen entstehen. Steht er im 12. Haus, fliesst das Geld möglicherweise in Rückzug, Spenden oder ins Ausland. Auch Aspekte von Jupiter (für Fülle), Venus (für Genuss), Saturn (für Begrenzung) oder Rahu (für Gier oder Täuschung) können Hinweise geben, wie man mit Besitz und Sprache umgeht und was es zu lernen gilt. In der Tiefe fragt uns das 2. Haus:
Wovon lebst du wirklich?
Was nährt dich und was bist du bereit, zu bewahren?
Denn Reichtum ist nicht nur eine Zahl auf dem Konto, sondern auch die Fähigkeit, das eigene Leben als wertvoll zu erfahren. Wenn das 1. Haus dein „Ich bin“ ist, dann ist das 2. Haus dein „Ich bin es wert“.



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